Am 09. und 10. Mai 2026 fand eine C‑Trainer‑Fortbildung zum Thema „Frauen und Mädchen im Tischtennissport“ statt. Geleitet von Andrea Weßels, Gina Ripploh und unterstützt durch die Beauftragte für Frauen und Mädchen, Ulrike Kuhl beschäftigten sich 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmern intensiv mit diesem Thema. Ziel der Veranstaltung war es, ein besseres Verständnis für die besonderen Anforderungen in der Mädchenarbeit zu entwickeln und zugleich praxisnahe Ansätze für die Vereinsarbeit zu erarbeiten. Die Fortbildung verband theoretische Impulse mit intensiven Diskussionsphasen und praktischen Anteilen, wodurch ein vielseitiger Austausch unter den Teilnehmenden ermöglicht wurde.

Die beste Möglichkeit zur Gewinnung von Mädchen: der Girls Day wird von den Teilnehmenden intensiv besprochen

Nach der Begrüßung und einer Vorstellungsrunde wurde schnell deutlich, dass viele Teilnehmende ähnliche Herausforderungen in der Arbeit mit Mädchen erleben. Bereits zu Beginn stand daher der Austausch über bestehende Erfahrungen in den Vereinen im Mittelpunkt, wodurch eine gemeinsame Basis für die weitere Arbeit geschaffen werden konnte.
Ein wesentlicher Schwerpunkt lag auf der Frage, was das Training mit Mädchen besonders macht. In den Diskussionen zeigte sich, dass neben den sportlichen Aspekten vor allem soziale Faktoren eine große Rolle spielen. Mädchen legen häufig großen Wert auf ein positives Gruppengefühl und den Spaß am gemeinsamen Training. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass individuelle Förderung von großer Bedeutung ist, da die Bedürfnisse und Motivationen innerhalb der Gruppe stark variieren können. Kreative Übungen, abwechslungsreiche Trainingsformen und gezielte Impulse durch Trainerinnen und Trainer tragen entscheidend dazu bei, die Motivation aufrechtzuerhalten. Auch weibliche Vorbilder wurden als wichtiger Faktor genannt, da sie Orientierung bieten und die Identifikation mit dem Sport fördern.
Ein weiterer zentraler Bestandteil der Fortbildung war die Mitgliedergewinnung. In diesem Zusammenhang wurde deutlich, dass klassische Maßnahmen oft nicht ausreichen, um gezielt Mädchen anzusprechen. Vielmehr bedarf es spezifischer Angebote, die auf die Interessen der Zielgruppe zugeschnitten sind. Beispiele hierfür sind spezielle Aktionstage wie insbesondere der Girls’ Day, Schnupperangebote oder Kooperationen mit Schulen im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften. Einen Ablaufplan sowie bespielhafte Plakate und Urkunden könnt ihr hier herunterladen.

Ebenso können Turnierformate oder Veranstaltungen, bei denen Freundinnen gemeinsam teilnehmen können, den Einstieg erleichtern. Entscheidend ist dabei, eine offene und einladende Atmosphäre zu schaffen, die Hemmschwellen abbaut und erste positive Erfahrungen ermöglicht.
Auch die Rolle der Trainerinnen und Trainer wurde intensiv beleuchtet. Ein zentrales Ergebnis der Diskussion war, dass neben der fachlichen Kompetenz insbesondere soziale und pädagogische Fähigkeiten gefragt sind. Eigenschaften wie Empathie, aktives Zuhören und die Fähigkeit, positive Rückmeldungen zu geben, wurden als entscheidend für eine erfolgreiche Trainingsarbeit beschrieben. Trainerinnen und Trainer haben die Aufgabe, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Spielerinnen wohlfühlen und sich sowohl sportlich als auch persönlich weiterentwickeln können.
Im weiteren Verlauf der Fortbildung wurde die langfristige Bindung von Mädchen an den Verein thematisiert. Hier zeigte sich, dass der Einstieg in den Sport möglichst früh erfolgen sollte, um eine stabile Grundlage zu schaffen. Ebenso wichtig ist es, eine Vereinskultur zu entwickeln, die Gemeinschaft und Zugehörigkeit fördert. Gemeinsame Aktivitäten, Teamgeist und ausreichend Raum für soziale Interaktion spielen hierbei eine zentrale Rolle. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Übergang in den Erwachsenen- beziehungsweise Damenbereich oft eine kritische Phase darstellt, die gezielt begleitet werden muss, um Abbrüche zu vermeiden.

Neben der praktischen Vereinsarbeit wurden auch strukturelle Herausforderungen diskutiert. Hier nannten die Teilnehmenden unter anderem den vergleichsweisen geringen Anteil von Frauen in Leitungs- und Trainerfunktionen, organisatorische Hürden sowie teilweise unzureichende Rahmenbedingungen. Diese Faktoren können dazu beitragen, dass Mädchen und Frauen im Tischtennis unterrepräsentiert bleiben. Gleichzeitig wurde betont, dass Veränderungen nicht nur auf Vereinsebene stattfinden müssen, sondern auch durch Verbände und übergeordnete Strukturen unterstützt werden sollten.

Die Fortbildung hat deutlich gemacht, dass die Förderung von Mädchen und Frauen im Tischtennissport ein ganzheitliches Vorgehen erfordert, das weit über die reine Trainingsgestaltung hinausgeht. Neben sportlichen Aspekten spielen insbesondere soziale, organisatorische und strukturelle Faktoren eine entscheidende Rolle für den nachhaltigen Erfolg. Für die praktische Umsetzung im Verein lassen sich mehrere zentrale Handlungsempfehlungen ableiten. Zunächst sollten Vereine gezielt niedrigschwellige Einstiegsangebote für Mädchen schaffen, beispielsweise durch Schnuppertrainings, Aktionstage oder Kooperationen mit Schulen. Wichtig ist hierbei eine klare Ansprache der Zielgruppe sowie die Möglichkeit, gemeinsam mit Freundinnen erste Erfahrungen zu sammeln.
Darüber hinaus empfiehlt es sich, das Training bewusst abwechslungsreich, individuell und motivierend zu gestalten. Ein Schwerpunkt sollte auf positiven Erlebnissen, spielerischen Elementen und einer wertschätzenden Trainingsatmosphäre liegen. Trainerinnen und Trainer sollten aktiv auf die Bedürfnisse der Spielerinnen eingehen und diese in die Trainingsgestaltung einbeziehen.
Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt ist die Stärkung weiblicher Vorbilder im Verein. Dies kann durch den gezielten Einsatz von Trainerinnen, Betreuerinnen oder erfahrenen Spielerinnen erfolgen, die als Ansprechpartnerinnen und Identifikationsfiguren dienen. Parallel dazu sollte der Verein versuchen, mehr Frauen für ehrenamtliche Aufgaben zu gewinnen.

Zur langfristigen Bindung von Mädchen ist es entscheidend, eine positive und inklusive Vereinskultur zu fördern. Regelmäßige gemeinsame Aktivitäten, Teamgefühl und ein unterstützendes Umfeld tragen maßgeblich dazu bei, dass Spielerinnen dem Sport über viele Jahre hinweg treu bleiben. Gleichzeitig sollte der Übergang in den Damenbereich aktiv begleitet und strukturiert gestaltet werden.
Nicht zuletzt sollten Vereine bestehende Rahmenbedingungen kritisch hinterfragen und – wenn möglich – verbessern. Dazu gehören organisatorische Aspekte ebenso wie infrastrukturelle Voraussetzungen. Ergänzend ist eine enge Zusammenarbeit mit Verbänden sinnvoll, um Fördermöglichkeiten zu nutzen und strukturelle Entwicklungen aktiv mitzugestalten.

Insgesamt zeigt sich, dass bereits mit gezielten, oftmals einfach umsetzbaren Maßnahmen erhebliche Fortschritte in der Mädchenarbeit erreicht werden können. Entscheidend ist dabei eine bewusste Ausrichtung des Vereins auf die Bedürfnisse von Mädchen und Frauen sowie die Bereitschaft, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln.

 

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