Auf ein Wort
…die Integrität des Sports….
Als 1985 ein 17-jähriger Leimener mit viel Energie, Mut, Willen sich Aufschwung, das prestigeträchtige Tennisturnier in Wimbledon zu gewinnen, ging ein Aufsehen durch Deutschland. Ein rothaariger, fruchtloser und rotzfrecher Bengel gewann die Herzen vieler Deutscher. Es war nicht allein der Triumpf des Sieges in Wimbledon, nein, es waren die Nachwirkungen des Turniers, die mich damals so beeindruckten. Viele Menschen sprachen über Boris Becker, viele Leute fingen an, Tennis zu spielen, viele jungen Menschen (u.a. ich!) hatten plötzlich ein Vorbild, jemanden, der zeigte, was man schaffen kann, wenn man mit seinem ganzen Herzen und mit ganzer Seele etwas tut, um sein großes Ziel, seinen Traum zu erreichen. Dieser 17-jährige Leimener, den man ein paar Jahre zuvor übrigens im Deutschen Tennis-Bund aus der Förderung strich, war nicht der filigranste Techniker. Nein, er war derjenige, der Dinge trotzdem noch einmal versuchte, obwohl sie misslungen waren, er war ein Symbol für Beharrlichkeit, dessen Körpersprache und Präsens auf dem Tennisfeld die Gegner erdrückte und der für viele Menschen das Zeichen setzte: habt auch den Mut, etwas zu versuchen, was ihr unbedingt schaffen wollt.
Ich beschreibe das, weil es eines von unzähligen Beispielen ist, wie Sport Menschen erreichen kann. Sport ist viel mehr als Bewegung und ein Mittel, um gesund zu bleiben. Nein, Sport hat einen enorm integrativen Wert. Menschen, die vielleicht eher am Rande der Gesellschaft stehen, werden beim Sporttreiben in unseren Vereinen plötzlich zu gleichwertigen Partnern, zu Bestandteilen der Gesellschaft. Sport verbindet Menschen, die aus allen Ecken kommen, die einen Migrationshintergrund, eine Behinderung, eine andere Hautfarbe, eine andere Religion oder eine andere Kultur haben. Dem Sport und dem Spiel ist es egal, wer es betreibt, es ist nur immer dann von Spaß und Erfolg gezeichnet, wenn man es zusammen macht. An genau dieser Stelle hat der Sport eine Wirkung, die ich von keiner anderen Institution oder Gemeinschaft kenne.
Der Sport ist im Übrigen auch in der Erziehung und der Charakterbildung von jungen Menschen ein enorm wichtiges Instrument. Das Achten von Regeln, der Respekt vor dem Gegner, das Beachten von Mitspielern, das Miteinander und Füreinander einzustehen; kurzum: das Fairplay, kann im Sport spielerisch Kindern vermittelt werden. Kinder können lernen, sich im Sport in die Gemeinschaft zu integrieren, Anerkennung zu erfahren, ihre körperlichen und mentalen Grenzen zu begreifen und vor allem können Kinder lernen, sich Ziele zu setzen, die man nur dann erreichen kann, wenn man sich aufeinander einlässt.
Mein beeindruckendes Erlebnis, was ich im Sport hatte, war, als ich als Lehrer einer dritten Schulklasse eines Problemviertels in Duisburg-Marxloh arbeitete und mit zwei neunjährigen Jungs zu tun hatte, die unterschiedlicher Kultur waren und deren „Clan-Familien“ untereinander zerstritten waren. Diese zwei Jungs waren permanent miteinander zerstritten, schlugen sich und mussten getrennt voneinander betreut werden. Als es bei einem Schulfußballturnier dazu kam, dass die Klasse gegen eine Klasse einer anderen Schule antrat, schoss der eine Junge ein entscheidendes Tor, was zum Sieg der Mannschaft führte. Die Jungs jubelten gemeinsam und ich sah, wie am Spielfeldrand die Väter aufeinander zugingen und sich respektvoll die Hand gaben. Da verstand ich endgültig, wie der Sport Menschen zusammenführt. Menschen, die sich im normalen Leben eher die Köpfe einschlagen würden.
Dann gibt es aber auch diejenigen, die genau diese wichtigen Dinge nicht verstehen:
Vor einigen Monaten gab es bei den Finals in Erfurt ein Mixed, wo ein Verbandspräsident (der seine junge Spielerin betreute, die er auch managt) gegen ein Mixed betreute, was aus seinem eigenen Verband stammte. Nicht nur wir im WTTV waren verwundert, dass so etwas passieren würde. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, das nicht gegen den eigenen Verband betreut wird. Aber der eigene Präsident? Ich verstehe bis jetzt nicht, wie man als Präsident, der die Fäden in einem Verband in der Hand hat, der ein Symbol für Fairness, Respekt, Integrität und Moral sein sollte, so etwas tun kann. Und ich verstehe noch weniger, wieso man so etwas nicht unterbinden konnte.
Aber es geht noch schlimmer:
Bei der Fußball-WM musste ich dann sogar lernen, dass es noch perfider geht. Da geht der mächtigste Mann der Welt hin und bittet den mächtigsten Sportfunktionär der Welt darum, dass ein Sportverband eine Regelauslegung eines Schiedsrichters zurücknimmt, in dem Fall die rote Karte gegen einen Spieler der USA bei der derzeit stattfindenden Fussball Weltmeisterschaft. Diese Tatsache allein bedeutet schon, dass man den Respekt vor den Regeln, vor den Schiedsrichtern, vor dem Spiel nicht mehr achtet, nein, noch schlimmer: hier wurde allein mit der Anfrage, die auch noch so umgesetzt wurde(!), die gesamte Integrität des Sports mit Füssen getreten. Was denken sich diese zwei Volltrottel dabei, eines der größten Güter, die wir noch auf unserer Welt haben, derart zu missachten. Wir Fans und Zuschauer können nur fassungslos dabei zuschauen und hoffen, dass trotzdem der Glauben an den Sport und an dem Respekt vor den Menschen und dem Regelwerk bewahrt bleibt?
Herr Trump und Herr Infantino, es wird Zeit einzusehen, dass diese Welt andere Impulse benötigt! Der Sport mit all seinen Facetten als Leuchtturm unserer Gesellschaft, an dem sich Menschen ausrichten und festhalten können, darf niemals in Frage gestellt werden. Der Sport darf die Kraft von Gemeinschaft, Wille, Freude und Energie niemals verlieren!
Euer
