Starke WTTV-Auftritte bei den Euro Mini Champs
Bereits am Donnerstag, den 28. August 2026, ging es direkt vom Vorbereitungslehrgang nach Schiltigheim zu den jährlichen Euro Mini Champs, einer „inoffiziellen“ Europameisterschaft in den Jahrgängen 2013, 2014 und 2015.
Für das deutsche Team konnten insgesamt nur zehn Spieler pro Nation nominiert werden, die sich über die Jahrgänge und Geschlechter verteilten. Von diesen zehn Vertretern Deutschlands wurden vier Kinder aus NRW nominiert. Dies waren Luisa Fan (Jahrgang 2014), Luka He (Jahrgang 2015) sowie Junde Zang und Caspar Mayer-Uellner aus dem Jahrgang 2014.

Luisa, Luka, Junde und Caspar
Ein harter Modus unter schwierigen Bedingungen
Der Modus ist sehr hart: Man muss sich durch vier Gruppenphasen kämpfen (bei den Mädchen drei), in denen man immer die vorderen Plätze belegen muss, um nicht in die „Consolation“ (Trostrunde) zu rutschen. Die Konkurrenz ist in fast jedem Spiel auf Augenhöhe, leichte Spiele gibt es eigentlich nicht. Vor allem die Spielerinnen und Spieler aus Frankreich und Rumänien, aber auch aus anderen Staaten Osteuropas, zeigten, wie stabil sie schon sind. Vermutlich haben diese Kinder bisher deutlich mehr Trainingszeiten absolviert als unsere jungen Athleten. Zum harten Modus kamen außerdem sehr warme Temperaturen in der Halle, gepaart mit hoher Luftfeuchtigkeit und oft viel Lärm. Für unsere Spieler war das häufig laute und aggressive Coaching, wie es in anderen Ländern praktiziert wird, noch nicht allzu bekannt. Dazu kamen lautstarke Anfeuerungen von der Tribüne, einmal sogar mit einer Trompete! All das waren Spielbedingungen, denen sich unsere jungen Akteure stellen mussten. Und das taten sie sehr gut:
Luisa Fan gewinnt die Consolation
Luisa Fan (meist von Ding Yaping betreut) überstand die ersten beiden Gruppenphasen souverän. In der dritten und bei ihr letzten Gruppenphase erwischte sie – ausgerechnet an ihrem Geburtstag – nicht ihre beste Form und wurde in der Dreiergruppe bei zwei Niederlagen Letzte, was ihr den Platz in der „Consolation“ einbrachte. Dort spielte sie am letzten Turniertag viel besser als an den zwei Tagen zuvor und gewann diese Trostrunde mit vier Siegen, darunter auch zwei mit abgewehrten Matchbällen (!). Das Finale gegen Svenja Hepp aus Baden-Württemberg, also die zweite deutsche Starterin, war mit 3:0 am Ende vielleicht sogar Luisas bester Auftritt in Schiltigheim. Das war insgesamt eine gute Leistung, auf der man weiter aufbauen kann. Luisa erreichte bei elf Starts sieben Siege bei vier Niederlagen.

Luisa gewinnt die Consolation und erreicht Platz 17.
Jungen überzeugen in den Gruppenphasen
Bei den Jungen ging es in den ersten drei Gruppenphasen sehr synchron zu. Sämtliche Spiele wurden gewonnen, und immer belegten Luka, Caspar und Junde den ersten Platz in ihrer Gruppe. Das waren schon alles sehr souveräne Auftritte! Junde und Luka blieben auch in der vierten Gruppenphase ohne Niederlage, was am Ende auch die Qualifikation für die Finalrunde einbrachte. Caspar (betreut von Stephan Schulte-Kellinghaus) machte seine Sache ebenfalls sehr gut.

Caspar mit WTTV-Cheftrainer Stephan Schulte-Kellinghaus.
Aber ihn erwischte es im ersten Spiel der vierten Gruppe hart. In einem Match gegen den Franzosen Husson (Normandie) ging es von Anfang an knapp zu. Leider ließ Caspar den dritten Satz durch ein paar Eröffnungsfehler liegen. Im vierten Satz nahm er wieder die Spielführung und -kontrolle an sich und spielte wie gewohnt gut. Leider wuchs dort der Franzose über sich hinaus. Ab dem Spielstand von 8:8 gab es nur noch sehenswerte Ballwechsel, die Caspar größtenteils sogar dominierte, die der Franzose aber zweimal hintereinander mit sehr glücklicher Platzierung auf die Kante gewann. Dagegen war kein Kraut gewachsen, und Caspar musste durch ein 9:11 die 1:3-Niederlage hinnehmen.

Caspar zeigte viel bessere Leistungen. als es der 17.Platz aussagt.
Jetzt zeigte sich die Brutalität des Turniermodus. Zwei schlechtere Minuten in Satz drei, etwas Pech im vierten Satz – und die Niederlage war da. Aber es war noch ein Spiel zu spielen. Nach drei Minuten Pause gab der Schiedsrichter dann das Signal, dass Caspar auch das zweite Gruppenspiel anzutreten hatte. Dort stand auf der anderen Seite leider der Türke Bucak, der spätere Finalist (Finalergebnis liegt noch nicht vor!). Caspar machte zwar auch dort ein gutes Spiel, stand aber leider immer noch unter dem Eindruck der Niederlage von zuvor. Das 0:3 war wohl nicht zu verhindern.
Aber: kein Beinbruch! Dann wird eben in der Consolation wieder alles versucht! Und das tat Caspar: Er spielte wie mit gelöster Handbremse und konnte in den vier Spielen zu keinem Zeitpunkt ernsthaft von den immer noch sehr guten Konkurrenten in Bedrängnis gebracht werden. Sieg in der Consolation! Platz 17 in der Gesamtwertung mit 13 gewonnenen Spielen und nur zwei Niederlagen. Das Turnier und die Leistung waren viel, viel besser, als es das Ergebnis vermuten lässt.

Siegerehrung der Consulation.
Luka He löst das Ticket fürs StigaMasters
Auch Luka He (mit Christine Mettner an seiner Seite) spielte bei den 2015ern am Samstagabend noch zwei Finalrunden, die er beide genauso furios bestritt wie all die Gruppenspiele zuvor. Am Sonntagmorgen im Viertelfinale verlor er dann aber gegen Tiffasi Idrissi (Frankreich), der Luka leider von Anfang an beherrschte.

Verbandstrainerin Christine Mettner und Luka waren ein gutes Team in Frankreich.
Danach verlor Luka noch eine Partie gegen den Tschechen Berenak nach guter Leistung mit 2:3. Doch das letzte Spiel um Platz sieben nutzte Luka noch für einen versöhnlichen Abschluss mit einem knappen 3:2 gegen Viktor Barre aus Frankreich. Mit dieser Platzierung konnte Luka deutlich auf sich aufmerksam machen und sich seinen Traum von der Teilnahme am StigaMasters im Oktober erfüllen. Auch er spielte am Ende eine Bilanz von 13:2 Siegen!

Am Ende belegte Luka mit zwei Niederlagen Platz 7.
Junde Zang mit Topspiel im Viertelfinale
Bei den 2014ern war Junde Zang in toller Verfassung und sprühte nur so vor Spielfreude. Im Achtelfinale kämpfte er den Franzosen Ivan El Fehri mit 3:1 nieder und erreichte wie Luka das Viertelfinale. Dort wartete mit Nicolae Bucur der Sieger des letztjährigen StigaMasters (europäisches Top 14) auf Junde. Es entwickelte sich ein Topspiel auf einem derart hohen Niveau, wie man es bei zwölfjährigen Jungs nicht allzu häufig sieht. Man hatte den Eindruck, beide Jungs würden über sich hinauswachsen. Junde „klaute“ den ersten Satz mit 16:14, obwohl er die ganze Zeit hinten lag. Auch der zweite Satz ging an Junde. Aber Bucur ist ein Spieler, der gerade in Drucksituationen noch mehr Tempo machen kann und dann scheinbar auch immer fehlerfreier wird. Ding Yaping, die Junde betreute, gab all ihre Erfahrung weiter, ermutigte, beruhigte und sorgte für Klarheit. Und Junde setzte das sogar um und spielte noch besser. Aber gegen diese Wand, von der jeder Ball noch fester zurückkam, kam er nicht durch. Mit 2:3 musste er dem Moldauer gratulieren und wohl auch anerkennen, dass es manchmal sogar jemanden gibt, der noch besser ist.

Junde spielte auf hohem Nivea und landete am Ende auch auf dem siebten Platz.
Leider folgte auf diese Energieleistung eine Niederlage gegen den Franzosen Casquero, was dann auch bedeutete, dass Junde ins Spiel um Platz sieben gehen musste. Dieses gewann er gegen den Engländer Lusio Wen mit 3:1 recht sicher. Kurioserweise erspielte sich Junde, wie beide anderen Jungs ebenfalls, eine 13:2-Bilanz, worauf er auf diesem hohen Niveau sehr stolz sein kann.
Starkes Gesamtfazit
Das Fazit aller drei Betreuer fällt am Ende recht eindeutig aus:
Das Turnier ist unter diesen Bedingungen eine richtig harte Aufgabe. Alle unsere WTTVler haben sich hartnäckig allen Widrigkeiten gestellt, und alle sind sichtbar an dieser Aufgabe gewachsen. Über alle Runden betrachtet gingen unsere WTTV-Kids 56-mal an den Tisch und konnten dabei 46 Spiele gewinnen; das ist im Rahmen dieser starken Konkurrenz eine richtig starke Bilanz. Zudem konnten sich alle vier Kinder im Vergleich zum letzten Jahr hervorragend entwickeln und eine bessere Platzierung als im Vorjahr erreichen. Luisa gehört in ihrem Jahrgang sicherlich zum oberen Drittel in Europa – allerdings auch mit etwas Abstand zur absoluten Spitze.
Luka kann beim StigaMasters tatsächlich zeigen, wie sehr er den Fuß in die Tür zur Spitze des europäischen 2015er-Jahrgangs stellen kann. Den ein oder anderen Zeh hatte er in Schiltigheim schon in der Tür.

Caspar und Junde haben bereits im letzten Jahr beim StigaMasters mit den Plätzen vier und fünf bewiesen, dass sie zur erweiterten europäischen Spitze gehören. Jundes Vorstellung im Viertelfinale und Caspars gesamter Auftritt – bis auf die paar schlechteren Minuten, die ihn eine deutlich bessere Platzierung gekostet haben – zeigen, dass jeder andere Europäer ans absolute Maximum gehen muss, um gegen einen von ihnen gewinnen zu können.
Wir sind in der Arbeit und im Prozess der Entwicklung der Kinder auf einem sehr guten Weg, wenngleich es noch viel Arbeit bedeutet, wirklich ein Champion zu werden!
(Stephan Schulte-Kellinghaus, WTTV-Cheftrainer)