Erfurt. Vom Bekanntheitsgrad der deutschen Topstars ist Wim Verdonschot noch ein Stück entfernt. Dennoch zählt der seit Mitte Mai 21-Jährige inzwischen zu den spannendsten Gesichtern des deutschen Tischtennissports. Bei den LOTTO Thüringen TT-Finals in Erfurt gehört der gebürtige Berliner längst nicht mehr nur zu den Talenten, sondern zu den Spielern, die auch international Akzente setzen können. Sein Aufstieg verlief rasant – und die Konstanz seiner Leistungen deutet darauf hin, dass seine Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist.
Wer Verdonschot am Tisch erlebt, erkennt schnell, warum ihm Experten eine große Karriere zutrauen. Der 1,90 Meter große Rechtshänder verbindet enorme Reichweite mit explosiver Dynamik und modernem Offensivspiel. Er selbst benennt seine Rückhand und seine Diszipliniertheit als größte Stärken. Auch mit seiner Vorhand kann er Gegner unter enormen Druck setzen. Gleichzeitig agiert Verdonschot bemerkenswert ruhig und kontrolliert – selbst in engen Spielsituationen.
Schritt für Schritt durch alle Klassen gespielt
Schon früh fiel sein Talent auf. Gemeinsam mit seinem Vater stand Verdonschot bereits als Kind regelmäßig beim SV Falkensee-Finkenkrug in Brandenburg in der Halle. Schnell zeigte sich, wie ehrgeizig und lernwillig der junge Spieler war. Bereits mit acht Jahren wurde er in den Kader seines Verbandes aufgenommen. Nach dem Umzug der Familie nach Nordrhein-Westfalen nahm seine Entwicklung weiter Fahrt auf.
Es folgten Westdeutsche Meister-Titel, Erfolge bei Ranglistenturnieren und Berufungen in die Jugend-Nationalmannschaft. Mit dem deutschen U19-Team gewann Verdonschot bei Jugend-Europameisterschaften zweimal Edelmetall. Im Mixed erreichte er bei der U21-EM 2025 gemeinsam mit Josi Neumann sogar das Finale.
Der endgültige Durchbruch im Erwachsenenbereich gelang Verdonschot ausgerechnet vor einem Jahr bei den Deutschen Meisterschaften 2025 in Erfurt. Mit einem Marathonmatch gegen Abwehrass Florian Bluhm spielte sich der Youngster bis ins Halbfinale und gewann Bronze im Einzel. Im Doppel folgte gemeinsam mit Andre Bertelsmeier sogar der Titelgewinn.

Wim gewann in Erfurt Bronze im Einzel und Gold an der Seite von Andre Bertelsmeier. Foto: Jörg Fuhrmann
In der 2026er-Auflage reizen ihn bei den so gut wie selten besetzten Titelkämpfen die möglichen Duelle mit den etablierten deutschen Spitzenspielern: „Ich freue mich auf die Spiele gegen die Topgesetzten, denn ich will schauen, wie weit ich bereits bin. Ich trainiere zwar auch gegen sie, aber im Training ist es ja immer etwas anderes als in einem richtigen Wettkampf.“
Im Doppel sind sie die Titelverteidiger: Wim Verdonschot (am Ball) und Andre Bertelsmeier (Foto: MS)
Internationale Erfolge als nächster Schritt
Seitdem entwickelt sich auch seine internationale Karriere beeindruckend schnell weiter. Im November 2025 gewann Verdonschot beim WTT Feeder in Danzig seinen ersten internationalen Titel. Wenige Monate später bestätigte er seine starke Form mit einem weiteren Feeder-Triumph in Lille. Mitte Mai erreichte er im portugiesischen Lagos erneut das Halbfinale eines Feeder-Turniers und unterstrich damit seine gewachsene Konstanz. In der Weltrangliste kletterte der Deutsche inzwischen bis in die Top 75. Dustin Gesinghaus, der Bundestrainer 19/15 männlich, begleitet Verdonschot seit Jahren und kennt die Gründe für den Erfolgs: „Wim ist ein fleißiger, disziplinierter Arbeiter. Er erntet jetzt die Früchte, die er lange gesät hat.“

Wim feierte in diesem Jahr zwei internationale Erfolge. Foto: Jörg Fuhrmann
Nach zwei Jahren beim SV Union Velbert kehrt Verdonschot im Sommer zu seinem früheren Verein Borussia Dortmund zurück, der inzwischen erstklassig spielt. Doch auch darüber hinaus formuliert der Youngster längst ehrgeizige Ziele: „Ich bin froh, dass es momentan so gut für mich läuft. Ich weiß zwar auch, dass das nicht immer automatisch so sein wird. Aber ich hoffe einfach, dass ich mich jetzt so langsam, aber sicher in Richtung der großen Vier begeben kann. Die Vier sollen zumindest wissen, dass ich komme und versuche, Druck zu machen.“ Dang Qiu, Benedikt Duda, Patrick Franziska und Dimitrij Ovtcharov sind gewarnt.
„Will in Erfurt mindestens so gut spielen wie im Vorjahr“
In Erfurt steht der Vorjahresdritte deshalb diesmal deutlich stärker im Fokus als noch vor zwölf Monaten. Bei den LOTTO Thüringen TT-Finals zählt Verdonschot sowohl im Einzel als auch im Doppel und Mixed zu den aussichtsreichen Kandidaten auf die Medaillenplätze. Gemeinsam mit Andre Bertelsmeier will er im Doppel seinen Titel verteidigen, im Mixed visiert er mit seiner U21-EM-Partnerin Josi Neumann ebenfalls Edelmetall an. An diese Leistungen möchte Verdonschot nun anknüpfen: „Bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt will ich diesmal mindestens genauso gut spielen wie im Vorjahr – wenn nicht sogar noch besser!“
(Quelle: DTTB)