Punkt 10 Uhr fiel der Startschuss: Bei der 78. Westdeutschen Meisterschaft kämpften 32 Damen und 48 Herren nicht nur um die begehrten Titel im Einzel und Doppel, sondern auch um die Tickets für die Deutschen Meisterschaften 2026.
Der Druck war greifbar, denn nur wer das Einzel-Finale erreicht, ist sicher qualifiziert. Für alle anderen bleibt die Hoffnung auf die wenigen Verfügungsplätze des WTTV (drei bei den Herren, zwei bei den Damen), die erst nach dem Turnier vergeben werden.
Souveräner Auftritt der Favoriten
In der Gruppenphase ließen die Gesetzten nichts anbrennen. Die Top-Favoriten – darunter Florian Bluhm, Erik Bottroff, Kirill Fadeev und Michael Servaty bei den Herren sowie Eireen Kalaitzidou, Nadine Sillus, Luisa Düchting und Hannah Schönau bei den Damen – dominierten ihre Vierergruppen und zogen als Gruppensieger souverän in die K.o.-Runde ein.

Florian Bluhm (Foto Jörg Fuhrmann)

Nadine Sillus (Foto: Jörg Fuhrmann)
Premiere mit Hindernissen: Der WTTV im Stream-Stress
Abseits der Tische feierte der WTTV eine Premiere: Erstmals wurde die Berichterstattung auf Facebook, Instagram und der Website durch einen kommentierten Live-Stream ergänzt.
Doch wo Sport ist, ist manchmal auch Drama – in diesem Fall technischer Natur. Ein hartnäckiger Fehler in der Leitung verhinderte die geplanten Bilder von zwei Tischen und sorgte für ordentlich Puls beim Medienteam. Statt High-End-Streaming gab es zunächst reduzierten Videogenuss an nur einem Tisch.
Dass die Stimmung im YouTube-Chat trotzdem positiv blieb, war vor allem Jenny Jäger und Pedro da Silva zu verdanken. Die eingespielten Kommentatoren (bekannt von den Bundesliga-Heimspielen der Borussia Düsseldorf) ließen sich von der Hektik nicht anstecken. Mit ihrer fachlichen Expertise als B-Lizenz-Trainer führten sie souverän durch die Partien an Tisch 1.
„Es war unsere erste lange Live-Übertragung. Wir waren selbst gespannt, ob alles klappt – aber das Feedback der Zuschauer war wirklich toll“, resümierte Jenny Jäger zufrieden. Und letzten Endes ging es zumindest an Tisch 1 gut aus. Ab Mittag lief der Stream nahezu störugsfrei.
Durchmarsch der Favoriten und Namens-Rätsel
In der K.o.-Runde lag Knistern in der Luft. Viele hatten gehofft, dass die Außenseiter die Top-Gesetzten früh ins Schwitzen bringen würden – doch die Favoriten dachten gar nicht daran, Geschenke zu verteilen. Sowohl bei den Damen als auch in der Herren-Konkurrenz ließen die Top 4 der Setzliste keinen Zweifel an ihrer Dominanz aufkommen und zogen souverän in die nächste Runde ein.

Hannah Schönau (Foto: Jörg Fuhrmann)

Erik Bottroff (Foto: Jörg Fuhrmann)
Das „Erwachsenen“-Rätsel: Präzision oder Wortklauberei?
Abseits der Ballwechsel sorgte ein bürokratisches Kuriosum für Gesprächsstoff: Die Umbenennung der Herren-Klasse in „Erwachsenen-Klasse“. Ein sprachlicher Geniestreich? Wohl kaum.
Die Logik dahinter: Da Damen theoretisch auch bei den Herren mitspielen dürfen, soll der Begriff „Erwachsene“ inklusiver wirken. In der Realität sorgt das eher für unfreiwillige Komik. Denn wer die Herren in „Erwachsene“ umtauft, impliziert im Umkehrschluss fast, die Damen-Konkurrenz gehöre nicht zu den Erwachsenen. Da bisher noch keine einzige Spielerin den Weg in die „Erwachsenen“-Konkurrenz gesucht hat, bleibt diese Umbenennung ein klassischer Fall von übertriebener Formulierungs-Akrobatik ohne Praxisbezug.
Der Marathon-Samstag fand seinen Abschluss in den Viertelfinals der Doppel. Die Zuschauer erlebten noch einmal spektakuläre Ballwechseln, die zeigten, warum Tischtennis auf diesem Niveau so faszinierend ist. Doch auch hier das gewohnte Bild: Die Favoriten bewiesen Nervenstärke und buchten sicher ihr Ticket für den Finaltag.
Showdown am Sonntag
Alles ist angerichtet! Da alle Top-Stars noch im Rennen sind, verspricht der Sonntag Tischtennis der Extraklasse. Wer krönt sich zum Westdeutschen Meister? Und wer sichert sich in den letzten entscheidenden Duellen den Startplatz für die Deutschen Meisterschaften? Die Titeljagd ist völlig offen und geht jetzt erst richtig los.

Luisa Düchting (Foto Jörg Fuhrmann)

Anne Sewöster (Foto Jörg Fuhrmann)