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Einen Dreiklang aus Sport, Vergnügen und Arbeit bot der WTTV-Zukunftskongress in Essen. Basis für die Durchführung bildete eine neue Konzeption, die von den Teilnehmenden am Ende sehr positiv bewertet wurde. Schon im Juli 2018 erfolgte eine erste Information an die Kreis- und Bezirksvorstände sowie die WTTV-Ausschüsse, Ende Januar 2019 wurde endgültig festgezurrt, wer sich an zwei Tagen mit welchen zukunftsweisenden Themen auseinandersetzen wird.

Am Samstagmorgen trafen sich zunächst rund 60 Spieler/innen in 16 Mannschaften (9 Kreisvorstände, 2 Bezirksvorstände und 5 WTTV-Ausschüsse) zu einem Mannschaftsturnier, bei dem mindestens drei Spieler/innen pro Mannschaft zum Einsatz kamen. Alle hatten großen Spaß am Turnier, man konnte reichlich spielen und hatte auch genügend Pausen zur Erholung und zu Gesprächen mit Sportfreunden, die man bisher noch nicht kannte.

Eine perfekte Gestaltung der Rahmenbedingungen durch ein Team von TuSEM Essen, ein pfiffiges Spielsystem und die professionelle Turnierleitung durch Präsident Helmut Joosten und dessen Stellvertreter Ingo Tschiersch waren Garant dafür, dass sich die Spieler aus ganz NRW an den Tischen wohl fühlten und ordentlich ins Schwitzen kamen. Schließlich waren die Teams rund sechs Stunden im Einsatz, bis am Nachmittag Sieger und Platzierte ermittelt waren.

Turnier-Ergebnis

Nach dem Umzug von der Sporthalle zum Hotel Bredeney trafen sich am Abend

75 Teilnehmer zum Buffet. Dort konnten begonnene Gespräche fortgesetzt und neue Kontakte geknüpft werden. Fast 60 Personen übernachteten im Hotel. Dort nahmen am Sonntag rund 100 Personen an der Tagung „Zukunft des WTTV“ teil. In vier Themenblöcken (Politik/Finanzen, Sport, Sportentwicklung, Öffentlichkeitsarbeit) wurde in angeregten Diskussionen um die Zukunft des WTTV „gerungen“.

 

Helmut Joosten gab den Startschuss zu den Workshops am Sonnta

 

Themenblock Politik

Ausgangspunkt war die Frage, ob der WTTV seine (Gebiets-)Struktur überdenken muss, wie Veronika Rücker (DOSB) bei einer Tagung schon 2015 bemerkte. Dann ging es um die Fragen, welche Gründe es dafür geben und wohin eine Veränderung gehen könnte. Diesem Themenkomplex näherten sich fast 30 Teilnehmer unter der Moderation von Dr. Michael Timm, dem Präsidenten des Westdeutschen Hockey-Verbandes und stellvertretenden Sprecher der Fachverbände in NRW.

Dieser nutzte für die Zusammentragung der Gedanken die so genannte SWOT-Analyse, in der Redebeiträge und schriftliche Eingaben in den Rubriken Stärken und Chancen, Schwächen und Risiken zusammengetragen wurden.

 

SWOT-Analyse

 

Als Stärken bezeichneten die Teilnehmer insbesondere den einfacheren/schnelleren Zugriff auf die Vereine und die geringere Anzahl der notwendigen Ehrenamtler. Als Schwächen wurden vor allem genannt, dass bewährte Strukturen auseinandergerissen würden, mit größeren Gebieten größere Schwierigkeiten entstünden und mehr Arbeit auf einzelnen Schultern ruhen würde.

Als Chancen wurden insbesondere genannt: bessere Jugendförderung, Gewinnung jüngerer Mitarbeiter/innen, Kommunikation von wichtigen Themen (Vereinsstrukturen, Sportentwicklung), Reduktion von Verwaltungsaufwand durch Professionalisierung, Vereinfachung der Kommunikation, Zusammenführung von Qualität, Möglichkeit einer Vernetzung, Profitieren vom Nachbarn, attraktiverer und flexiblerer Spielbetrieb.

Als Risiken wurden vor allem eine größere Distanz zwischen Verein und unterster Verbandsgliederung, ein eventueller Verlust von Vereinen, die fragliche Akzeptanz bei den Betroffenen, schwierige Kommunikation aufgrund der Größe, ersatzloser Verlust von Ehrenamtlern, Sichtweise der zwangsweisen Anpassung, zu viele Posten/Aufgaben, durch Zentralisierung Rückzug des WTTV aus der Fläche sowie Konsolidierung der Kreise bei Anfangs- und Spielzeiten eingeschätzt.

Ziemliche Einigkeit bestand darin, dass man die Bezirke abschaffen könne. Über Zuschnitt und Größe der Kreise gingen die Meinungen naturgemäß auseinander. Schließlich ergab eine Abstimmung mit einer deutlichen Mehrheit (bei einer Gegenstimme und wenigen Enthaltungen), dass Vorschläge für eine eventuelle Neugliederung des Verbandsgebietes erarbeitet werden sollen.

Gedacht ist an 12 bis 16 Untergliederungen. Dabei sollen Aufteilungen von Kreisen möglichst vermieden werden, aber es war klar, dass sie auch vorab nicht kategorisch ausgeschlossen werden können. Zur Erarbeitung der Vorschläge wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Es ist selbstverständlich, dass mit großer Transparenz gearbeitet wird und die Vorschläge den Betroffenen zur Diskussion vorgelegt werden. Es handelt sich schließlich um einen Prozess, der nicht unter Zeitdruck stattfinden soll.

 

Rund 100 Teilnehmende informierten sich und disktutierten mit

 

Themenblock Sport

Cheftrainer Stephan Schulte-Kellinghaus informierte zunächst über die Förderstruktur im WTTV und gewährte einen tieferen Einblick in seine Arbeit. Klaus Seipold stellte als zuständiger Ausschuss-Vorsitzender die Situation der Schiedsrichter im WTTV in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Für viele erstaunlich war die Meinung, dass man über die Anhebung der Spesenpauschale für Schiedsrichter nachdenken solle.

Auch kam der Vorschlag, dass ggfs. höhere Einnahmen durch die neue Schiedsrichtergebühr anteilig zweckgebunden dem AfSR zur Verfügung gestellt werden sollten, um die SR-Lehrgänge damit zu subventionieren oder im Grundsatz mehr in die Ausbildung und anschließende Begleitung junger Schiedsrichter investieren zu können.

Werner Almesberger brachte mit aktuellen Zahlen zum andro WTTV-Cup die Zuhörer zum Staunen. Obwohl nur 2% aller TT-Spieler in NRW an diesem Wettbewerb teilnehmen, gehe die Anzahl der Turniere weiter nach oben. Es konnte nicht wirklich eine Kausalität zu Rückgängen der Teilnehmerzahlen oder gar Absagen bei privaten Turnieren hergestellt werden.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Erwachsenensport referierte weiter zum Thema der doppelten Spielberechtigung und zeigte die Beweggründe der Bayern und Niedersachsen für deren Anträge beim Bundestag auf. Vor allem im Seniorenbereich habe das einen „faden Beigeschmack“, da einige Vereine sich Spitzenspieler „zusammengekauft“ hätten, um bei den Deutschen Meisterschaften Titel zu sammeln.

Zum einheitlichen Spielsystem für Bundesspielklassen konnte Almesberger nicht konkret werden, da alles noch in einem Status der Entwicklung stecke. Ein erster Vorschlag zur Realisierung wurde abgelehnt. Klar werde aber auch sein, dass sich die TTBL nicht an dieser Entwicklung beteiligen werde.

Bei der Feedbackrunde wurde die Qualität der Inhalte dieses Workshops gelobt, denn es sei deutlich geworden, dass der WTTV nicht „die da oben“ sei, sondern „wir alle“. Dabei sei die „Durchdringung“ innerhalb der drei Ebenen (Verband-Bezirk-Kreis) verbessert worden.

 

Themenblock Öffentlichkeitsarbeit

Mit großer Zustimmung wurde festgestellt, dass sich in der Außendarstellung unseres Sports in NRW vieles positiv verändert habe, insbesondere sei die Transparenz verbessert worden.

Ein Spiegelbild des stark gestiegenen Interesses der Aktiven und Fans am Geschehen sei die starke Nutzung der neuen Online-Medien des Verbandes. So konnten die Nutzungszahlen der Homepage um 300% gesteigert werden und lag schon nach gut drei Monaten nach der Onlineschaltung bei rund einer halben Million Aufrufen. Hinzu kommen noch die Besuche der vier Social-Media-Kanäle des WTTV bei Facebook, Instagram, Youtube und Twitter.

Besonders die Live-Angebote (Ergebnisse und Streams) von nahezu allen TT-Veranstaltungen in NRW locken an die Geräte, so hatte der WTTV-Live.-Stream von den Deutschen Schülermeisterschaften im Februar in Rees mehr Zuschauer als das Deutscher Sportfernsehen.

Zentrales Thema des Workshops aber war Fragestellung, wie der Verband und seine Untergliederungen Informationen in Form von Rundschreiben und Newslettern zukünftig handhaben sollen. Das Meinungsbild der Workshop-Gruppe forderte eine Reduzierung und Konzentration bzw. Verdichtung von Informationen. Die Flut von  Nachrichten per E-Mail habe dazu geführt, dass die Absenderadresse info@wttv.de von vielen Empfängern mittlerweile als Spam eingestuft worden sei. Auch solle man sich von „Bleiwüsten“ verabschieden und das Layout der Mitteilungen überdenken bzw. moderner gestalten.

Ein hierzu vorgestellter Vorschlag fand einhellige Zustimmung wird nach interner Abstimmung aller Beteiligten technisch umgesetzt. Im Bereich der Workshops gab Sandra Spieler zunächst Tipps zur Einrichtung von Social-Media-Accounts, bevor Jörg Fuhrmann (Fotografie) und Thorsten Schoofs (Videografie) fachlich versierte Hinweise zur Verbesserung der Berichterstattung gaben.

 

Beim Workshop Öffentlichkeitsarbeit gab es eine Praxiswerkstatt zu dem Themen Fotografie und Videografie

 

 

Themenblock Sportentwicklung

 Im Verkauf des Workshops wurde allen Beteiligten die Bedeutung einer Stärkung der bisherigen Bemühungen deutlich.

Im Bereich „Mädchen und Frauen“ präsentierte die Sprecherin der Frauen im Landessportbund NRW, Dr. Eva Selic, Daten und Fakten, die eindrucksvoll den Rückgang dokumentierten und fragte deshalb: „Ist Tischtennis für Mädchen und Frauen weitgehend uninteressant?“ Keineswegs! Denn gezielte und geplante Aktionen könnten einen positiven Trend begründen.

Hier seien zunächst die Breitensportbeauftragten auf Kreisebene gefordert, vor allem beim direkten Kontakt zu den Vereinen. Der WTTV biete Möglichkeiten und Ideen, um den Spielbetrieb der Mädchen zu stärken (z.B. Girls Day). Mädchen-Netzwerke sollen gefördert und der Spielbetrieb häufiger präsentiert werden.

Mädchen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren, die mit Tischtennis aufgehört haben, sollten nach Gründen und Ursachen befragt werden. Es sollten mehr Turniere für Mädchen (in eigenen Spielklassen) angeboten und ggf. eine eigene Mädchen- und Damenklasse beim andro-Cup eingerichtet werden.

Das Thema „Vereinsentwicklung“ wurde von Erwin Daniel und Marco Knapp unter die Lupe genommen und in zwei Kernaussagen zusammengefasst: Erstens sei es wichtig, Kümmerer und „Nervensägen“ auf Kreis- und Bezirksebene zu finden und zweitens sei es unerlässlich, diese Ehrenamtler auszubilden.

In der „Kinder- und Jugendpolitik“, vertreten durch Erwin Daniel und Lukas Majowski, stand die Einrichtung eines stabilen, aktiven und zukunftsfähigen Juniorteams im Fokus der Betrachtung. Dazu sollen Juniorteamer für die ehrenamtliche Mitarbeit in den Verbands-/Bezirks-/Kreisgremien qualifiziert, ausgebildet und methodisch/didaktisch begleitet werden.

Raymond Cain beleuchtete Mittel und Wege zur Implementierung und Förderung der Thematik „Schulsport Tischtennis“ in den Vereinen. Er empfahl feste Ansprechpartner, die die Interessenten direkt aktiv (möglichst auf Kreisebene) ansprechen. Zunächst sollten einmalige, kurze und leicht zu organisierende Aktionen wie mini-Meisterschaften, Milch-Cup, etc. forciert werden.

Personell könnten Modelle im Freiwilligendienst ausgebaut und Informationen zum Schulsport auf den Kreistagen bzw. auf den Kreisjugendtagen gegeben werden. Informationen an Schulen über Schul- und Sportämter können ebenfalls positives bewirken. Hilfreich wäre, wenn die Kontaktdaten der Schulsport-Mitarbeiter in click-tt eingepflegt werden.

In der Trainer-Aus- und -Fortbildung plädierten Timo Klein-Soetebier und Jens Stötzel für eine verbesserte, zielgerichtete Verbreitung/Verteilung von Informationen. Die Zielgruppe werde oft nicht erreicht oder durch zu viele Themen in einen Newsletter „verwässert“. Häufig fehle Aktiven das Verständnis dafür, warum sie sich für eine Trainerausbildung anmelden sollen.

Trainer-Netzwerke sollten mehr in den Vordergrund gerückt sowie die Möglichkeit, etwas in Vereinen zu verändern bzw. sich einbringen zu können. Es müsse deutlicher werden, warum man diese Ausbildung machen soll (Lernen neuer Inhalte, Methoden, Trainingsalltag verbessern, etc.). Möglichkeiten zur Finanzierung würden das Infopaket ebenfalls sinnvoll ergänzen.