Berni Vossebein, der „Löwe von Bochum“, wie er wegen seines unbändigen Kampfgeistes genannt wurde, feiert heute seinen 95. Geburtstag. Wir verneigen uns vor einem tollen Menschen und gratulieren recht herzlich!

Berni Vossebein in Aktion bei der Senioren-WM 2006 Foto: DTTB (Manfred Schillings)

Berni Vossebein, der bis auf eine kleine Ausnahme dem WTTV immer treu geblieben ist, erlernte 1939 mit damals 14 Jahren in Bochum das Spiel mit dem kleinen Zelluloidball. Bereits 1942 nahm er an seiner ersten Deutschen Meisterschaft teil. Von diesem Zeitpunkt an hat Bernie an sage und schreibe 50 nationalen Meisterschaften als Spieler oder Trainer teilgenommen. Damit hält der gelernte Friseurmeister den alleinigen Rekord.

Zweimal (1949 und 1956) erreichte er das Einzelfinale bei den Deutschen Meisterschaften, musste aber jeweils seinem Gegenüber gratulieren:

(Quelle: Bundesarchiv)

Mehr Erfolg hatte der Linkshänder, wenn er eine Partnerin oder einen Partner an seiner Seite hatte, denn im Doppel- und Mixedwettbewerb stand er siebenmal ganz oben auf dem Treppchen.
Auch in der Nationalmannschaft machte sich der Vater von zwei Söhnen einen Namen. Hier kam er insgesamt 16 Mal zum Einsatz, davon viermal bei Weltmeisterschaften.

Berni Vossebein prägte die Trainerphilosophie im WTTV nachhaltig.

1959 war dann Schluss mit dem Leistungssport. Von nun an widmete sich Berni vor allem der Jugend und arbeitete als Trainer. Von 1971 bis 1985 war er als Verbandstrainer im WTTV tätig und prägte den Leistungssport des Verbandes bis heute nachhaltig, denn Dirk Huber, der ab 1987 als Verbandstrainer folgte, bezeichnet Berni als seinen „Ziehvater“, ohne den er niemals Tischtennis-Trainer geworden wäre.

Dirk Huber (ehemaliger WTTV-Verbandstrainer):
Ich habe 1972 bei Berni in der Sportschule Hennef den „Übungsleiterschein Tischtennis“ (heute C-Lizenz) gemacht. Vieles ist mir noch total präsent, und ich habe vieles von Bernie – bewusst oder unbewusst – übernommen:

  • die Begeisterung für die Aufgabe, Kindern etwas beizubringen,
  • Freude an der körperlichen Anstrengung zu vermitteln,
  • neben TT auch andere Dinge machen: Fußball, Kegelabend…
  • Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit
  • persönliche Ansprache mit Blickkontakt und klären Worten.

Viele Jahre später- ab 1987 – habe ich noch einige Lehrgänge mit Berni gemacht. Seine Begeisterunsfähigkeit war ungebrochen groß, das habe ich am meisten an ihm bewundert.

Seine „alten“ Geschichten von damals waren immer total amüsant. Zum Beispiel erzählte er mal, wie er kurz nach dem 2. WK in einem schwankenden und wackelnden Zug einen sehr ängstlichen Mannschaftskollegen auf Grund einer gewonnenen Wette rasiert habe.

In Zusammenhang mit dieser Story bat ich dann Berni beim WN-Lehrgang 1987, mir meinen in der Schweiz gewachsenen Vollbart – ein Grund ständiger Sticheleien von Berni – ab zu rasieren. Danach hatten wir dann mal wirkliche Differenzen:

Berni behauptete standhaft, es sei kein Tropfen Blut gefallen, ich selbst erinnerte mich an ein wahres Blutbad….

Wie auch immer, einen besseren ersten TT-Lehrer hätte ich mir nicht wünschen können, und ohne Berni wäre mein Leben anders verlaufen.
Danke, Löwe!

Dirk Huber lebte diese Philosophie in seinen 17 Jahren als Verbandstrainer und gab diese ebenfalls an seine jungen Kollegen weiter, so dass die aufgeführten Punkte besonders im Nachwuchsleistungssport des WTTV immer noch ein hohes Gut sind.

Stephan Schulte-Kellinghaus (WTTV-Cheftrainer):
Berni ist und war für uns Trainer, vor allem im WTTV, immer das Vorbild schlechthin. Berni war ein erwiesener Fachmann, aber das war nicht das, was Berni so besonders gemacht hat. Berni hat durch seine Art, durch sein Vorleben und Einfordern von Gradlinigkeit, Ehrlichkeit, Disziplin, Offenheit, Kritikfähigkeit und vor allem auch Herzlichkeit gezeigt und bewiesen, dass man mit allen Menschen und Problemen umgehen kann. Er konnte schwierige Situationen in der Betreuung oder auch im menschlichen Umgang immer mit Humor lösen, aber vor allem auch damit, dass er die Schwierigkeiten auch angesprochen hat und entweder eine Lösung hatte oder auch mal sagen konnte: „Komm Junge, halb so wild, Kopf hoch!“

Berni war für mich immer ein Vorbild darin, wie man Menschen führt und diese auch zusammenbringt. Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich ihn kennenlernen durfte und – auch wenn es nur eine kurze gemeinsame Zeit gab, in der wir „miteinander zu tun hatten“ – von ihm lernen durfte.

Berni, ich wünsche Dir für Deinen Jubeltag alles Gute, noch viel Gesundheit und hoffe, dass Du das Leben immer noch so leben kannst, wie Du es uns gezeigt hast.

Viele liebe Grüße, Stephan

Aber auch nach seinem Ausscheiden als Verbandstrainer legte sich Berni nicht zur Ruhe. Er war weiterhin als Stützpunkttrainer tätig und gab seine Geschichten und Erfahrungen auch hier an die jungen Kollegen weiter.
Als Spieler nahm er an Senioren-Weltmeisterschaften teil und landete 2004 bei den WTTV-Meisterschaften in Ahaus in der Altersklasse Ü75 im Einzel den dritten Platz und siegte in seiner Paradedisziplin, im Doppel.

Wir bedanken uns bei Berni für die großartigen Momente, Geschichten, und Inspirationen.
Wir wünschen Berni für die Zukunft alles Gute!