Nadine Bollmeier und Dennis Klein holen die Einzeltitel bei den Westdeutschen Meisterschaften in Waltrop

 

Die Tischtennis-Elite des WTTV trug in diesem Jahr im nördlichen Ruhrgebiet ihre Meisterschaften aus. Die knapp 30.000 Einwohner zählende Stadt Waltrop und der dort ansässige TTV Waltrop 99 begrüßten insgesamt 36 Damen und 52 Herren, die am 18. und 19. Januar 2020 ihre Einzel- und Doppelmeister ermittelten. Die Westdeutschen waren zugleich Qualifikationsturnier für die deutschen Meisterschaften. Die Finalisten haben die Tickets für Chemnitz, wo die Deutschen in diesem Jahr stattfinden, sicher. Mixed-Paarungen, wie sie mittlerweile bei Olympia und auch bei den deutschen Meisterschaften gespielt werden, konnten angesichts des straffen Zeitrahmens leider nicht angeboten werden.

Damen Einzel

Bei den Damen war die Grande Dame des WTTV, Nadine Bollmeier, an Nr. 1 gesetzt. Die Erstligaspielerin des TuS Bad Driburg kam allerdings leicht gehandicapt zu den Meisterschaften. Sie fühlte sich nach einer überstandenen Verletzung noch nicht ganz fit und verzichtete deshalb sicherheitshalber auf das Doppel. Zu ihrem Glück war sie ebenso wie drei weitere topgesetzte Spielerinnen für das Hauptfeld bereits qualifiziert und konnte sich drei Vorrundenspiele sparen. Gesetzt waren außerdem Yuki Tsutsui (TuS Bad Driburg), Anne Sewöster (TuS Bardüttingdorf-Wallenbrück) und Leonie Berger (Borussia Düsseldorf).

In den acht Vorrundengruppe setzten sich ganz überwiegend die Favoritinnen durch. Etwas überraschend war jedoch das Weiterkommen der jüngsten Teilnehmerinnen des Turniers. Die zwölfjährige Eireen Kalaitzidou spielt für ihren Verein Borussia Düsseldorf in der Oberliga. Nur aufgrund des besseren Satzverhältnisses konnte sich die Düsseldorferin hauchdünn für die Hauptrunde qualifizieren. Doch dort spielte das junge Talent oder – wie man beim Fußball sagen würde – das Juwel grandios auf. Zunächst schlug sie die erfahrene Petra Schoulen (TTC GW Fritzdorf) und anschließend geradezu sensationell ihre Vereinskollegin Melissa Dorfmann mit 4:2. Letztere war allerdings durch eine langwierige Schulterverletzung nicht in der Lage, ihr bestes Tischtennis abzurufen. Die Leistung von Kalaitzidou soll dadurch allerdings nicht geschmälert werden. Es war wirklich beeindruckend, zu sehen, mit welchem Engagement und Ehrgeiz sie ihre Spiele durchzog. Wenn Eireen so weiter macht, wird dieser Überraschungssieg sicherlich nicht der einzige bleiben. In diesem Jahr war erst im Viertelfinale gegen ihre Vereinskollegin Leonie Berger, die Deutsche Schülermeisterin des Jahres 2018, Endstation. Nach dem 0:4 freute sie sich trotzdem, dass sie zumindest in den ersten beiden Sätzen mitspielen konnte und acht bzw. sieben Punkte holte.

Neben Berger und Bollmeier qualifizierten sich für das Halbfinale Sewöster und Tsutsui. Bollmeier (38 Jahre) traf auf die noch nicht einmal halb so alte Berger (16 Jahre). Phasenweise gelang es der jungen Düsseldorferin das Niveau der Erstligaspielerin mitzugehen. Berger konnte sogar einen Satz gewinnen. In den entscheidenden Momenten setzte sich Bollmeier mit ihrer klugen und routinierten Spielweise dann doch durch und erreichte nach 4:1 Sätzen das Finale. Ihre Finalgegnerin wurde in einem überaus spannenden und engen Spiel zwischen der Titelverteidigerin Sewöster und Tsutsui ermittelt. Auch hier war es ein Duell der Generationen. 13 Jahre liegen zwischen beiden Spielerinnen. Leicht favorisiert ging die Jüngere in das Rennen. Immerhin hatte sie einen um 72 Punkte hören QTTR-Wert und spielt in der 1. Bundesliga für den TuS Bad Driburg im unteren Paarkreuz. Dort kommt sie in dieser Saison immerhin auf eine Bilanz von 6:3. Sewöster dagegen tritt für ihren Verein an Position 2 in der Herren-Verbandsliga an.

Das Duell der beiden Spielerinnen gehörte zum Besten und Spannendsten, was die Westdeutschen Meisterschaften in diesem Jahr zu bieten hatten. In den ersten Sätzen dominierte Sewöster das Spiel. Mit ihren Bällen aus der Halbdistanz hatte die Bad Driburgerin große Schwierigkeiten. Doch als ihre Mannschaftskollegin Nadine Bollmeier nach ihrem Sieg im anderen Halbfinale die Betreuung übernahm, schien sich das Blatt zu wenden. Tsutsui gewann die Sätze fünf und sechs recht deutlich. Alles deutete darauf hin, dass sich die Jüngere doch würde durchsetzen können. Aber Seewöster zeigte ihr bestes Tischtennis. Ihre Gegnerin konnte das Niveau nicht mehr ganz halten und musste letzten Endes nicht unverdient in eine 3:4-Niederlage einwilligen.

Das Finale versprach eine spannende Angelegenheit zu werden. Doch Bollmeier machte da nicht mit. Schon fast gelassen spielte sie ihre Gegnerin ein um´s andere Mal aus. Während der erste Satz mit 12:10 noch eng war, beherrsche sie die folgenden Sätze deutlich. Nach 11:5,11:7 und 11:7 hatte sie das Finale mit 4:0-Sätzen deutlich für sich entschieden und einen weiteren Titel ihrer langen Erfolgsbilanz zugefügt.

 

Herren-Einzel

Bei den Herren waren Erik Bottroff (BV Borussia 09 Dortmund), Dennis Klein (TTC indeland Jülich), Gianluca Walther und Robin Malessa (beide 1.FC Köln) gesetzt. Die übrigen 48 Spieler mussten sich erst über die Vorrunde für das Hauptfeld qualifizieren. Wie bei den Damen blieben die großen Überraschungen aus.

Doch in der Hauptrunde gab es dann sehr früh die erste (kleine) Sensation. Robin Malessa traf in der zweiten Hauptrunde auf den 18-jährigen Kirill Fadeev (Borussia Dortmund). In der laufenden Saison hatte Malessa mit 3:2 knapp die Oberhand behalten. Doch an diesem Tag hatte er das Glück nicht auf seiner Seite. In seinem ersten Spiel des Turniers traf er auf einen gut eingespielten Gegner und fand zunächst überhaupt nicht seinen Rhythmus. Schnell lag er mit 0:2 Sätzen in Rückstand. Erst im dritten Satz hatte er sich ein wenig gefangen und schien das Spiel in den Griff zu bekommen. Jedoch ließ einige Satzbälle liegen und gab auch diesen Satz ein wenig unglücklich mit 16:18 ab. Zwar gelang es ihm die beiden folgenden Sätze mit 11:7 und 11:9 für sich zu entscheiden, doch der Druck, vier Sätze am Stück gewinnen zu müssen, war letzten Endes zu groß. Fadeev steckte die beiden verlorenen Sätze gut weg und gewann den sechsten Satz mit 11:5. Das Turnier hatte seine erste große Überraschung.

Doch die Reise war für Fadeev noch nicht zu Ende. Im Viertelfinale erwartete ihn mit Björn Helbing ein weiterer Kölner Zweitligaspieler. Von den ersten vier Sätzen konnten beide Spieler je zwei für sich entscheiden. Doch dann kam Fadeev so richtig auf Touren. Druckvoll drängte er Helbing immer wieder weit vom Tisch weg und punktete dann sicher. Er entschied die folgenden beiden Sätze mit jeweils 11:6 für sich und gewann das Spiel mit 4:2. Das Halbfinale war erreicht. Hier traf er auf seinen Vereinskollegen Erik Bottroff, der sich im bisherigen Turnierverlauf sehr souverän durchgesetzt hatte. Und Bottroff zeigte Fadeev seine Grenzen auf. Sehr sicher spielte er sich mit 4:1 Sätzen in das Finale. Trotzdem kann man Fadeev zu seinen guten sportlichen Leistungen nur gratulieren. In manchen (insbesondere engen) Spielsituationen wünscht man dem jungen Spieler allerdings, dass er seine Nerven besser in den Griff bekommt.

Im anderen Halbfinale trafen Titelverteidiger Gianluca Walther und Dennis Klein aufeinander. Beide hatten bis zu diesem Zeitpunkt jeweils nur einen einzigen Satz abgegeben. Doch während Dennis Klein sich gegenüber seinen vorherigen Spielen noch einmal steigerte, baute Walther ab. Zu keinem Zeitpunkt gelang es ihm, seine gewohnten Qualitäten abzurufen. Sehr schnell hatte er mit 0:4 (7:11,9:11,2:11,7:11) verloren.

Und damit kam es im Finale zu einem Aufeinandertreffen der topgesetzten Spieler Bottroff und Klein. Beide starteten etwas verhalten. Keiner konnte sich richtig absetzen. So gewann Klein den ersten Satz 16:14 und Bottroff den zweiten 12:10. Doch dann zeigte sich, dass Klein den besseren Tag erwischt hatte. Gerade wenn es darauf ankam, gelang es Bottroff nicht, den Punkt zu machen. Seine harten Rückhandschläge, die ihm schon so viele Spiele gewonnen haben, brachte er nur vereinzelt durch. Dem Jülicher Erstligaspieler gelang es, Bottroff weitgehend aus dem Spiel zu nehmen. Er gewann die beiden folgenden Sätze recht sicher mit jeweils 11:8. Den sich anschließenden knappen 9:11-Satzverlust steckte er locker weg und holte sich mit 11:6 den entscheidenden Satz undit auch den Meistertitel.

Damen-Doppel

Im Damen-Doppel war die Düsseldorfer Paarung Dorfmann/Berger an Position 1 gesetzt. Und bis zum Halbfinale bestätigten die beiden ihre Favoritenstellung. Dort trafen sie auf die 16 und 15 Jahre alten Schwestern Hannah Schönau (TTF Kreuzfrau 1949) und Charlotte Schönau (TTC GW Fritzdorf). Angesichts der Verletzung von Dorfmann war ein Favoriten-Doppel nicht auszumachen. Und das Spiel bestätigte dies. Beide Doppel begegneten sich auf Augenhöhe. Der fünfte Satz musste über die Finalteilnahme entscheiden. Und hier setzten sich die Schönau-Schwestern relativ sicher gegen ihre etwas nachlassenden Gegnerinnen mit 11:7 durch.

Das andere Halbfinale erreichte die Zufallspaarung Yuki Tsutsui und Verena Duhr (SC Bayer 05 Uerdingen). Tsutsui hatte eigentlich mit Bollmeier spielen wollen, doch deren Verletzung ließ einen Einsatz im Doppel nicht zu. Doch Tsutsui und Duhr harmonierte prächtig miteinander und gaben bis zum Halbfinale nur einen einzigen Satz ab. Ihre Gegnerinnen waren Anne Sewöster und Christiane Thöne (TTC Paderborn), die alle ihre Spiele mit 3:0 gewonnen hatten. Doch im Halbfinale kamen sie an dem schnellen und druckvollen Spiel von Tsutsui nicht vorbei. Das Überraschungsduo setzte sich mit 3:1 durch.

Das Finale sah dann einen klaren Sieger. Schönau/Schönau gaben zwar einen Satz mit 2:11 ab, holten sich allerdings drei andere Sätze und siegten recht überlegen mit 3:1. Das war der erste Meistertitel für das junge Duo.

 

Herren-Doppel

Das Herren-Doppel wurde von den Paarungen Malessa/Walther (1. FC Köln) und Fadeev/Bottroff (BV Borussia Dortmund) dominiert. Die an Nr. 1 und 2 gesetzten Paarungen gaben gemeinsam bis zum Finale nur einen einzigen Satz ab. Die Kölner setzten sich im Halbfinale sicher mit 3:0 gegen Servaty/Mykietyn (SC Buschhausen) durch. Dagegen gaben die Dortmunder gegen Helbing/Gärtner (1. FC Köln) ihren einzigen Satz ab.

Im Finale hatten Malessa/Walther zunächst die Nase vorn. Doch nach sicher gewonnenem erstem Satze riss der Faden. Fadeev/Bottroff stellten sich immer besser auf die Spielweise ihrer Gegner ein und bekamen die Kölner immer besser in den Griff. Mit 11:7,11:8 und 11:8 holten sie sich ganz sicher und vollauf verdient den Sieg und den Westdeutschen Meistertitel.

Am Rande der Bande

Wie gewohnt lief die Organisation des Turniers perfekt. Dies galt sowohl für die Turnierleitung also für die Schiedsrichter. Ein ganz besonderer Dank muss allerdings an den ausrichtenden Verein, den TTV Waltrop 99 gehen. Chef-Organisator Jens Korte hatte knapp 60 Helferinnen und Helfer um sich geschart, die allesamt einen ganz ausgezeichneten Job machen. Bereits im Vorfeld war die Veranstaltung gut beworben worden. Dies führte dazu, dass an beiden Turniertagen knapp 300 Eintrittskarten verkauft werden konnten. Zählt man Betreuer, Freunde, Funktionäre und andere Besucher noch hinzu, haben die Veranstaltung ca. 500 Zuschauer besucht. Sie haben ihr Kommen sicherlich nicht bereut. Jens Korte fasste die Westdeutschen Meisterschaften des Jahres 2020 aus seiner Sicht zusammen: “Ich freue mich wirklich, dass alles so gut geklappt hat. Man hat als Organisator ja immer ein wenig Angst, dass irgendetwas richtig schief geht. Das war aber nicht der Fall. Der riesige Aufwand, den wir betrieben haben, hat sich gelohnt. Wir haben sicherlich auch davon profitiert, dass wir auf die Infrastruktur zurückgreifen konnten, die wir aufgrund unserer offenen Waltroper-Stadtmeisterschaften, die in diesem Jahr zum 13. Mal stattfinden, bereits hatten. Aber gerade im Catering waren wir nach einem Tag schon so platt, wie wir sonst nach vier Turniertagen am Stück sind.“

Jens Korte - Cheforganisator

Für die Deutschen Meisterschaften, die vom 29. Februar bis zum 1. März in Chemnitz stattfinden haben sich qualifiziert:

Damen: Nadine Bollmeier, Anne Seewöster.

Herren: Dennis Klein, Erik Bottroff

Auf weitere Plätze können die Halbfinalisten hoffen. Von den insgesamt 16 Halbfinalisten aller Landesverbände werden die nach TTR-Wert besten sieben Spielerinnen und Spieler die Startberechtigung für die deutschen Meisterschaften erhalten.